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“Mit Gefühl von der Hochzeit sprechen” – Wie Hochzeitsfotoreportagen funktionieren

Während das klassische Gruppenfoto der Hochzeitsgesellschaft lange Zeit das Hauptmotiv der schweren Holzplattenkameras war, sind diese Art Fotos längst nur noch Beiwerk. Hochzeitsfototgrafie heißt heutzutage vor allem „Reportagefotografie“. Mehr als für andere Genre der Fotografie beschreibt ein Zitat des französischen Fotografen Henri Cartier-Bresson was Reportagefotografie bedeutet:

„Ein Foto zu machen, heißt, den Kopf, das Auge und das Herz aufeinander auszurichten. Es ist eine Lebensform.“

Eine Fotoreportage besteht klassischerweise aus 15 bis 30 Fotos. Gerade bei klassischen Fotoreportagen für Zeitung und Magazin reduziert der Platz die Auswahl oft auf ein Minimum. Hochzeitsreportagen haben oft einen größeren Umfang, weil gerade bei vielen Gästen die einzelnen Personen und jedes wichtige Ereignis Teil der Reportage sein soll. Hochzeitsbücher haben meist einen Umfang von 26 bis 50 oder 60 Seiten.

Eine Hochzeitsreportage dokumentiert den Hochzeitstag, wie ein journalistisches Ereignis. Die Fotos beschreiben die Ereignisse des Tages. Der Fotograf bleibt dabei eher im Hintergrund. Sein Blick auf die Hochzeit entscheidet über die Fotos. Insofern bestimmt die gesehen Realität des Fotografen über die Realität, die durch die Hochzeitsfotos transportiert werden.

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Die richtige Bildauswahl der schönsten Hochzeitsfotos – 3 Kriterien

Ein wichtiger Teil der Arbeit des Fotografen ist die Bildauswahl. Für die taz-Bildredakteurin Ann-Christine Jansson gibt es drei wesentliche Kriterien bei der Bildauswahl: Informationen, Gefühl und Komposition.

 

1.) Hochzeitsfotos informieren

Journalistische Fotos informieren. Sie ergänzen die geschriebene Nachricht. Ebenso müssen die Fotos einer Hochzeitsreportage informieren. Sie müssen das Potential haben eine Geschichte ganz ohne Worte (nach)erzählen zu können. Neben den Gesichtern, die das „Wer“ der Geschichte beantworten sind es die Ereignisse, die das „Was“ der Hochzeit festhalten: die Vorbereitungen (Getting Ready), die Hochzeitsgesellschaft im Standesamt, der/die Standesbeamt*in, das Anstecken der Eheringe, das Anschneiden der Torte. All dies sind Beispiele von Ereignissen, die eine Bildauswahl rechtfertigen.

 

2.) Hochzeitsfotos sind komponiert

Von all diesen Ereignissen entstehen jeweils unzählige Fotos, was nach weiteren Auswahlkriterien verlangt. Die Bildkomposition dient dem Hochzeitsfotografen als solches Kriterium. Bildkomposition meint die Gestaltung des Bildes mit Linien und Formen des Motivs. Eine klare und harmonische Komposition macht das Bild interessant und aussagekräftig. Mit der Bildkomposition leitet der / die Fotograf*in den Blick des / der Betrachter*in der Fotos. Er nutzt dazu einige psychologische Regeln, wie die Tendenz der Betrachter*innen von links nach rechts zu lesen.

 

3.) Hochzeitsfotos haben Gefühle

„Bilder müssen mit Gefühl von Gefühl sprechen“

Das sagt die Bildredakteurin Jansson in ihrer Fotogreportage-Klasse und spielt damit auf das dritte Auswahlkriterium an. Es geht bei der Hochzeitsfotografie als nicht bloß darum, Gefühle abzulichten, was bei einem so emotionalen Ereignis wie der Hochzeit ein leichtes wäre. Es geht darum, dem Betrachter (den Gästen und dem Hochzeitspaar) ein Gefühl zu geben. Gute Hochzeitsfotos wecken nicht nur erinnerte Gefühle, sie lösen Gefühle aus.

Das Gefühl in den Fotos (im doppelten Sinne) ist das letzte – und für mich wichtigste – Auswahlkriterium der perfekten Hochzeitsfotos. Ein Foto, das nicht nur Gefühle zeigt sondern auch auslöst, hat eine Berechtigung – jenseits der anderen Kriterien und auch jenseits von perfekter Schärfe und Helligkeit!

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Eine Hochzeit als Spannungsbogen – Aufbau einer Fotoreportage

Der Aufbau eine Fotoreportage beginnt mit einem Titelbild, von dem aus eine Spannungsbogen zum Hauptbild aufgebaut wird, bis die Serie mit einem Schlussbild abgeschlossen wird.

Das Titelbild soll neugierig machen, betont die Bildredakteurin Ann-Christin Jansson: „Es darf nicht alles erzählen.“ Es kann demnach – muss aber nicht – ein Detail sein.
Mit den folgenden Fotos wird ein Spannungsbogen aufgebaut, die im Hauptbild gipfelt. Beim Hauptbild handelt es sich um eine Foto, das exemplarisch für die Fotogeschichte stehen kann und oft besonders aussagekräftig ist. Das Schlussbild beendet die Reportage und bleibt oft besonders in Erinnerung.

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